Die Möwen erhalten eine eigene Seite – sie dominieren ja auch in gewisser Hinsicht die Insel. Hier auf Wangerooge kommen hauptsächlich Silbermöwen und Lachmöwen vor und in großer Zahl. Aber es gab auch Jahre, in denen wir uns gefragt haben, wo denn die Möwen geblieben sind? Ein Jahr drauf waren sie wieder in gewohnter Zahl hier. Die Dominanz der Silbermöwen scheint mir auf anderen Inseln weniger ausgeprägt. Auf Langeoog gab es gerade im Osten auch viele Heringsmöwen.

Silbermöwe

Silbermöwen scheinen die Insel zu beherrschen, keine andere Vogelart ist so dominant auf Wangerooge wie die Silbermöwe. Und doch gab es Sommer, wo es von ihnen so wenige nur gab, dass ich sie tatsächlich vermisste. Denn was wäre die Nordsee ohne die Silbermöwe, ihren gleitenden mühelosen Flug und ihr melancholisch-aufforderndes Rufen, das allein schon die Sehnsucht nach dem Meer in er Erinnerung wecken kann. Einige von Storms Gedichten scheinen dieser Sehnsucht nachsingen zu wollen.

Die Silbermöwe ist ein Allesfresser, das haben viele Touristen (auch unsere Tochter) leidvoll erfahren müssen, wenn sie von hinten attackiert wurden, ein Eis oder eine Tüte Pommes in der Hand haltend. Und abends, wenn der Strand sich entvölkert, suchen sie den verdaulichen Rest, den die menschliche „Zivilisation“ hinterlassen hat. Aber selbstverständlich findet man diese Möwenart auch auf den Buhnen, wo sie Krebse und Muscheln aufnehmen, oder im Watt, wo sie sich an den eingegrabenen Herzmuscheln laben. Sollte einmal ein Silbermöwenschwarm in der Luft stehen und einzelne Vögel immer wieder in Schleifen in den Schwarm hineinfliegen, dann sind oft fliegende Ameisenschwärme die Ursache davon. Die Möwen lassen sich sozusagen direkt in den offenen Schnabel beliefern.

Die Silbermöwe wird frühestens ab dem 3. Lebensjahr geschlechtsreif, sie durchläuft dabei drei Phasen, vom ersten Jugendkleid und dem folgenden ersten und zweiten Schlichtkleid. Das braune Gefieder wird dabei immer heller und im zweiten Winterkleid sind vor allem die Schwingen schon denen der erwachsenenVögel recht ähnlich.

Silbermöwen sind Kolonienbrüter, die Eiablage geschieht ab April, die Brutzeit dauert etwa 4 Wochen, die Jungen werden dann nach etwa 6 Wochen nach dem Schlüpfen flügge. Wer also im Frühsommer in eine Brutkolonie kommt, sollte sich nicht wundern, wenn er im Tiefflug von den Silbermöwen angegriffen wird. Dabei kommen auch andere Töne ins Spiel, nicht mehr das poetische Rufen sondern ein aggressives Klackern. Mancher musste seine Neugierde mit schmerzhaften Kopfwunden büßen.

Mantelmöwen


Mantelmöwen stellen die größte Möwenart unserer Breiten vor. Ich habe sie nur selten auf Wangerooge zu Gesicht bekommen. Meistens standen sie vereinzelt inmitten eines Schwarms von Silbermöwen. Möglicherweise sind sie eher Einzelgänger. Man kann sie leicht an ihrer Größe und dem dunkleren Gefieder erkennen. Sehr beliebt dürften sie nicht unter ihren Artkollegen sein. Zum einen rauben sie oft anderen Vögeln ihre Beute oder nehmen sie gleich selbst als Nahrungsquelle. Die folgenden Aufnahme entstand im Osten von Wangerooge.

Lachmöwen


Lachmöwen haben ihren Namen nicht daher, dass sie ein lachendes Geräusch von sich geben, sondern von lacus, was Gewässer oder See heißt. Sie sind vielerorts anzutreffen, auch im Binnenland. Hier ist eine ganze Kolonie im Ostteil versammel, sie trägt im Hochsommer Schlichtkleid, erkennbar an dem dunklen Fleck am Hinterkopf. In der Balzzeit sind die Köpfe schokoladenbraun-schwarz gefärbt.

Lachmöwenschwarm vor den Ostdünen Wangerooges